"Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." (Offb 21, 6)

 

Es gibt Menschen, die gern einmal einen über den Durst trinken. Es genügt ein fröhlicher Anlass oder die gesellige Runde. Manche trinken, um zu betäuben, was auf der Seele liegt, schmerzt und das Leben schwer macht.

Die Jahreslosung ist für die, deren Durst nicht zu stillen oder zu betäuben ist. Unsere Jahreslosung bezieht sich auf den Durst der Seele. „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“, lesen wir in der Offenbarung des Johannes.

Zugeben, es klingt wie eine Vertröstung. Die Erzählung aus der Offenbarung des Johannes zeichnet eine Vision, wie es einmal sein wird. Seit jeher kennen die Menschen Durst, in den wärmeren Gebieten der Erde kann Wassermangel schnell lebensbedrohlich werden. Das Wort „Durst“ leitet sich von „dürr“ ab und meint die Trockenheit der Kehle. Ausgedörrte Landschaften, ausgedörrte Lebensbereiche, aus denen alle Kraft abgeflossen ist, die neues Leben und neue Nahrung brauchen. Für die einen sind aufzehrende Bereiche im Beruf, für andere zerbrechende Freundschaften oder gestörte familiäre Beziehungen.

Durst bezeichnet eine Sehnsucht: Sehnsucht nach Liebe, nach Leben, nach Anerkennung, Sehnsucht nach Gott. Auch unsere Beziehung zu ihm braucht neues Wasser, neue Kraft. Die Kraft des lebendigen Wassers, das wir finden im Gottesdienst, im Wort, im Gebet, in den Sakramenten, in der Gemeinschaft – überall dort, wo Gott uns nahekommen will und wir uns einladen lassen, zur Quelle zu kommen.

Diese Begegnungen mögen den Durst nicht dauerhaft zu löschen, aber er wird gestillt in vielen Lebenslagen: Durch ein Segenswort für den weiteren Weg, durch ein Trostwort nach einem schweren Abschied, durch einen neuen Anfang nach verletzenden Worten.

Wir haben die Verheißung, dass diese Quelle nicht austrocknet, sondern dem umsonst gibt, der durstig ist.

Ich wünsche Ihnen in diesem Jahr viele Orte, Begegnungen und Möglichkeiten, um sich an dieser Quelle zu stärken!

Ihre Ulrike Weyer, Superintendentin