Das Jahr steht auf der Höhe,
die große Waage ruht.
Nun schenk uns deine Nähe
Und mach die Mitte gut.
Herr zwischen Blühn und Reifen
und Ende und Beginn
lass uns dein Wort ergreifen
und wachsen auf dich hin.

So heißt es in einem Kirchenlied zum Johannistag. Der Mitte schenken wir für gewöhnlich wenig Beachtung. Anfang und Ende: Beginn eines Projektes und am Ende Bilanz ziehen, Anfang und Ende des Lebens – diese Zäsuren werden in der Regel beachtet und in der Gemeinschaft begangen.

Aber die Mitte? Wenn alles läuft, sich in den richtigen Bahnen befindet – wozu dann eine Pause einlegen, wozu zurücktreten und mit Abstand betrachten, wozu sich an Gott wenden?

Das Jahr steht am 24. Juni auf der Höhe – am Johannistag. In unseren Gemeinden wird zu den Andachten auf den Friedhöfen eingeladen.

Wenn das Jahr auf der Höhe steht, die große Waage ruht, die Bauern alles getan haben, damit die Saat gut ausgebracht und die Ernte gut wird, dann sind wir eingeladen, uns zu besinnen auf den, der nicht nur Anfang und Ende, sondern alles Wachsen und Gedeihen in seinen Händen hält. Gerade dann auf den zu blicken, auf den Johannes der Täufer weist, bringt unser Leben ins Gleichgewicht. Johannes weist auf Jesus: Dieser muss wachsen, ich aber muss geringer werden.

Für uns heißt das: Nicht die eigenen Pläne, Wünsche und Ziele an erste Stelle setzen, sondern in SEINEN Händen wachsen lassen, auf dass er zu unserer Arbeit und für unser Leben seinen Segen gebe: Auf der Höhe des Jahres, auf der Höhe des Lebens und auf der Höhe der Zeit.

 

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Ulrike Weyer, Superintendentin